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Unser unfreiwilliges Abenteuer

Zuerst wussten wir nicht einmal ob wir diese Geschichte schreiben sollen. Gestern (ist jetzt schon paar Tage her 😊) wurde uns aber unmissverstĂ€ndlich klar gemacht, dass wir unsere Lieben nicht einfach so erschrecken können ohne dann auch zu sagen was los war und wenn wir ehrlich sind, wollen wir sie jetzt auch erzĂ€hlen. Zwar war uns klar, dass unsere Nachricht eine gewisse Sorge auslöst, dass es bei manchen aber so nachhallt hĂ€tten wir nicht erwartet und es tut uns sehr leid. Bitte entschuldigt, wir wollten niemanden so verĂ€ngstigen.

Also haben wir ĂŒberlegt wie wir sie schreiben, was wir schreiben und was wir fĂŒr uns behalten. Um wahrheitsgemĂ€ĂŸ zu erzĂ€hlen, entschieden wir schlussendlich, alles genauso zu schreiben wie wir es erlebt haben. Wir werden nichts dramatisieren und nichts Bedeutendes verheimlichen.

Auch jetzt noch, nach ĂŒber drei Wochen (auch das ist jetzt schon viellĂ€nger her), macht uns die Erinnerung manchmal nervös. So unwirklich das alles auch heute noch fĂŒr uns ist, hier kommt die ganze Geschichte, und auch wenn es nicht so scheint, es ist eine verkĂŒrzte Version 😉

 

Übrigens, dass wir immer wieder die Zeitform wechseln ist uns bewusst und wie die anderen Fehler in diesem Fall völlig egal 😊. 


Do. 19.04.2018

Tag 1

Die Nacht haben wir auf einem Campingplatz „kurz“ vor dem Nationalpark verbracht. Der Wecker klingelt frĂŒh und eigentlich sind wir beide nicht wirklich motiviert. Schon vorgestern haben wir einen großartigen Tag im nördlichen Chobegebiet verbracht und uns, fast, an Wildtieren satt gesehen. Der Park ist sehr Tier reich und ursprĂŒnglich. Wir sahen eine Menge Elefanten, BĂŒffel, zig Antilopen und konnten sogar einem Löwenangriff auf Elefanten zuschauen. Doch wir wollen nach Maun und der kĂŒrzeste Weg fĂŒhrt durch den Park.

Der Weg zum Eingangstor zieht sich lĂ€nger hin als wir dachten. Am Tor gibt es einen kurzen Plausch mit der Dame hinterm Tresen, wir bezahlen unseren Eintritt und fragen nach den StraßenzustĂ€nden. Diese Frage ist nicht unbegrĂŒndet, was wir jetzt noch besser wissen als damals. Im Chobe ist ohne Allradfahrzeug kein Durchkommen möglich und jetzt, so kurz nach der Regenzeit, können die Straßen manchmal selbst im Konvoi unpassierbar sein. Die Dame sagte uns aber es ist soweit alles in Ordnung und wir fahren zuversichtlich weiter.

Der restliche Vormittag verlĂ€uft recht unspektakulĂ€r. In den letzten Tagen hatte es nicht mehr geregnet, dafĂŒr ist es sehr heiß geworden. Das Gute daran ist, dass so die Straßen tatsĂ€chlich gut befahrbar sind und nur noch wenige „tiefe“ Schlammlöcher vorhanden bzw. die verbliebenen fast ausgetrocknet sind und nur ein einziges Mal reicht ein Wasserloch bis knapp unter den Seitenspiegel. Gegen Mittag kommen wir am Camp Savute an, ein Campingplatz mitten auf unserer Strecke durch den Park. Wir bleiben nicht lange. Aussteigen ist ohnehin nur auf dem eigenen Campingplatz erlaubt (sogar die paar Meter zur Toilette muss aufgrund der hohen Wildtierdichte sicherheitshalber gefahren werden) und da wir keinen Campingplatz gebucht haben und somit nicht aussteigen dĂŒrfen fahren wir weiter. Wir entscheiden eine etwas abgelegenere Route nach SĂŒden zu fahren, vielleicht haben wir so das GlĂŒck eine seltene und scheue Tierart zu sehen.

WĂ€hrend die Hauptrouten problemlos zu befahren waren, wird uns schnell klar, dass diese Wege uns und dem Auto mehr abverlangen werden. Noch aber keinerlei Grund zur Sorge. Einige Zeit fahren wir auf Wegen die kaum zu erkennen sind, ĂŒberqueren ausgetrocknete FlĂŒsse und zerkratzen uns zwischen den BĂŒschen den Lack. Nach einer Weile wird der Weg immer schlechter. Manchmal können wir kaum noch die Fahrspuren erkennen. Dazu kommt, dass das Gras auf weiten Strecken höher als unsere Motorhaube ist. Rechts, links, vorne, hinten – plötzlich sieht alles gleich aus. Ein Blick auf die Uhr sagt uns das wir in 3 Std. am SĂŒdtor sein mĂŒssen um den Park vorschriftsgemĂ€ĂŸ zu verlassen. ZurĂŒck zur sicheren Straße zu fahren und dann erst nach SĂŒden wĂŒrde uns unmöglich reichen. Zum GlĂŒck weiß MapsMe wo wir sind, MapsMe kennt nĂ€mlich alle Pisten, und wir haben ja zu keinem Zeitpunkt die offiziellen Wege verlassen. Bis zum Tor sind es noch rund 50 Km. Normalerweise kann man eine solche Entfernung bei parkĂŒblichen StraßenverhĂ€ltnissen gut in 2 Std. schaffen. Bei den sich uns bietenden wird es eng. Wenn wir mutig und optimistisch fahren und beide aus dem offenen Fenster schauen um die Reste der Fahrspur zu erkennen wird es schon reichen. Unser Wettrennen gegen die Zeit beginnt.

Leider wird der Weg schon bald noch schlechter. Wir können kaum noch etwas erkennen und bleiben prompt in einem „versteckten“ Matschloch hĂ€ngen. Das hatten wir befĂŒrchtet. Wir sind hier auf einer Straße, die durch das Überflutungsgebiet fĂŒhrt und hier und da steht offensichtlich noch zu viel Wasser. Ob man es darf oder nicht, in einem solchen Fall muss man wohl oder ĂŒbel aussteigen.

Also raus aus dem Auto, den Spaten geschnappt und gegraben. Es ist alles nicht so schlimm und da wir ja gut vorbereitet sind haben wir sogar „Unterlegbleche“ dabei die man unter die Reifen legen kann um wieder Haftung zu bekommen. Nach ein paar anstrĂ€ngenden Minuten bin ich Matschverschmiert aber das Auto ist wieder frei. Anna ist sichtlich erleichtert als ich wieder im Auto sitze (woher ich das weiß? Naja, auch wenn ich in der „Ich-Form“ schreibe sind es doch wir beide die die hier sitzen und diese Geschichte erzĂ€hlen). Das hohe Gras um uns herum hat ihr nicht erlaubt nach Tieren zu schauen die uns gefĂ€hrlich werden können und die schon unter normalen UmstĂ€nden sehr gut getarnt sind. 

. Ein weiterer Blick auf die Uhr. Die Zeit rennt uns davon. Wir sind nun schon so weit drin, dass wir es, selbst wenn wir umdrehen, nicht mehr vor Sonnenuntergang zurĂŒck auf eine bessere Straße schaffen können. Zum SĂŒdtor sind es noch rund 40 Km. Wir sind schon etwas nervös und wollen unbedingt vor Sonnenuntergang (ca. 18:30 Uhr) hier raus sein – also etwas schneller fahren.

Beide fĂŒhlen wir uns nicht ganz wohl damit weiter zu fahren, vor allem nicht noch schneller auf diesem Weg. Um die Parkregeln einzuhalten, tun wir es aber doch. Das ist unsere schlechteste Entscheidung. RĂŒckblickend hĂ€tten wir einfach anhalten, die Nacht abwarten und am nĂ€chsten Tag sicher zurĂŒck auf den Hauptweg fahren sollen, am Tor die Strafe bezahlen, die es fĂŒrs ungenehmigte Übernachten im Park gibt
 und gut.

Wir fahren etwas mehr als 20 Km/h als hinter einer Biegung ein großes Matschloch auftaucht. Ich versuche noch am Rand entlang zu fahren, anhalten hĂ€tte nicht mehr gereicht, als die HinterrĂ€der seitlich in das Loch rutschen. Gas geben ist unsere einzige Chance. Allrad ist selbstverstĂ€ndlich eingeschalten und die VorderrĂ€der haben noch Haftung. Ich hoffe es durch den Schwung und das Vollgas bis hinter das Loch zu schaffen. Keine Chance. Obwohl die Taktik einige Meter gut funktioniert rutscht schlussendlich auch die Schnauze ab und wir sitzen komplett fest.

Nun gut, das haben wir ja schon geĂŒbt. Das Graben und Unterlegen beginnt erneut. Fast direkt wird klar, dass wir heute nicht mehr aus dem Park fahren. All unsere BemĂŒhungen, all das Fluchen und   schimpfen nutz nichts. Unsere Unterlag Bleche sind gerade gebrochen und so versuche ich unser Feuerholz unter die Reifen zu bekommen. Da der Schlamm so zĂ€h und tief ist grabe ich Barfuß und ohne Hose. Ich bin ĂŒber und ĂŒber mit Faulschlamm bedeckt, der fĂŒrchterlich stinkt. Als es dĂ€mmert ermahnt mich Anna streng, dass es nun zu gefĂ€hrlich wird weiter zu machen. Ich höre nur zögerlich auf sie und mache noch hektischer weiter. Noch ein Fehler. Ich rutsche ab, direkt auf eine Holzspitze und verletze mir unangenehm die Fußsohle. Jetzt ist fĂŒr heute Schluss. Anna die immer noch tapfer auf dem Autodach steht, um so die Umgebung wenigstens etwas besser im Auge behalten zu können, muss nun wieder den stinkenden Schlamm von mir abwaschen. So kann ich unmöglich ins Auto steigen. Noch glauben wir morgen mehr GlĂŒck mit unseren Befreiungsversuchen zu haben. Insgesamt haben wir rund 30 Liter Trinkwasser und 3 Sixpack Bier dabei und so denken wir leider noch nicht ans Wasser sparen. Den Abend ĂŒber verbrauchen wir so rund 10 Liter Wasser um all den Schlamm abzuwaschen.

Die Sonne ist untergegangen und die letzte Helligkeit schwindet, als ich endlich „sauber“ bin. Die Nacht bricht an, aber noch sind wir gut drauf. Was ein Abenteuer denken wir uns. Mit einem Sixpack Bier aus dem KĂŒhlschrank spĂŒlen wir ein paar Kekse und Cracker runter, mehr Abendessen ist heute nicht drin. Satt, oder besser gesagt weniger hungrig, und mit ‘nem kalten Bier in der Hand ist der Abend eigentlich gar nicht so schlimm. Wir lachen, machen scherze darĂŒber nun wieder was zu erzĂ€hlen zu haben und freuen uns fast, dass wir nun doch eine Nacht im Park verbringen können, mit all den wilden Tieren um uns herum und den Sternen ganz fĂŒr uns allein.

Anna macht es sich auf dem RĂŒcksitz „bequem“ wĂ€hrend ich mich auf dem Beifahrersitz ausstrecke. Der Fahrersitz und alle Armaturen sind durch das ein- und aussteigen, um zu versuchen, ob wir es nun doch raus schaffen, schon völlig verschlammt.

WĂ€hrend Anna sich sicher ist, dass wir uns selbst befreien mĂŒssen, weil hier in Afrika niemand nach uns suchen wird, da niemandem auffallen wird, dass wir nicht raus gefahren sind, bin ich noch ĂŒberzeugt, dass wenn alles graben nichts nutzt, morgen schon jemand nach uns suchen wird. Immerhin sind wir ja im Parkregister eingetragen, dĂŒrfen gar nicht ĂŒber Nacht im Park bleiben und haben uns abends nicht wieder ausgetragen – das muss doch auffallen.


Fr. 20.04.2018

Tag 2

Es ist 9:30 Uhr. Die Sonne steht schon hoch und wir werden wach, weil es im Auto immer heißer wird. Die gute Stimmung am Abend war wohl mehr um uns gegenseitig und uns selbst Mut zu machen und uns nicht anmerken zu lassen, dass wir doch besorgt sind. Wir haben die ganze Nacht im Auto verbracht und brauchten beide lange um einzuschlafen. So hat aber der Plan auszuschlafen wenigstens funktioniert. Ohnehin ist es in den frĂŒhen, kĂŒhlen Morgenstunden zu gefĂ€hrlich um auszusteigen um zu graben und frĂŒh aufzuwachen um nervös abzuwarten bis es endlich 10 Uhr ist wĂ€re wohl kein guter Morgen gewesen.

Eigentlich will ich gleich loslegen. Umso frĂŒher ich grabe, umso frĂŒher sind wir frei und umso frĂŒher kommen wir hier raus - denk ich mir. Zum GlĂŒck ist Anna die VernĂŒnftige von uns und besteht darauf erst eine Kleinigkeit zu FrĂŒhstĂŒcken. Sobald ich anfange zu graben sagt sie, werde ich wieder voll mit Matsch sein und man mĂŒsse mich erst wieder waschen. FrĂŒhstĂŒck ist grundsĂ€tzlich kein Problem. Wir sind recht gut mit Proviant versorgt. MĂŒsli, Orangensaft, Milch, Brot, Butter, Marmelade, alles da. Das ginge mir dann aber doch zu lange, also gibt es wieder Kekse. Erst einmal hier raus, gehen wir ordentlich essen! Nach dem Stress haben wir uns wohl ein gutes Essen und zuvor eine Dusche verdient.

In den kommenden Tagen hier im Park, werden wir noch lernen, dass diese kleinen Hoffnungen zwar wichtig sind, wenn sie aber immer enttÀuscht werden, ist es in einer solchen Situation sehr belastend.

Jetzt aber, raus und Schaufel geschnappt. Um 10:30Uhr ist es schon recht heiß, und wĂ€hrend Anna wieder ihre Wachposition auf dem Dach einnimmt sage ich ihr, sie solle sich keine Sorgen machen, um 12 Uhr wĂ€ren wir wieder frei.

Es ist 13 Uhr und ich grabe immer noch. Der Schweiß fließt in Strömen und es ist unertrĂ€glich heiß geworden. Anna steht weiterhin wache. Auf dem Autodach, in der prallen Sonne schwitzt sie wohl nicht weniger als ich. Es ist uns beiden anzusehen wie sehr die Sonne, die Anspannung und bei mir die körperliche Anstrengung uns zu schaffen machen. Wir ermahnen uns gegenseitig genug zu trinken, immerhin sind noch rund 18 Liter Wasser ĂŒbrig und wir brauchen unsere KrĂ€fte. Jetzt allerdings ist Zeit fĂŒr eine Pause. Zwar stehen ein paar BĂ€ume in 10 – 20 Meter Entfernung, die etwas Schatten spenden könnten, zu Fuß durch das hohe Graß zu gehen um sich unter einen Baum in den Schatten zu setzen, wo eben auch die Löwen aus der Nachbarschaft gerade eine Siesta machen könnten, ist uns aber deutlich zu gefĂ€hrlich. Auch wenn es uns nicht recht ist sitzen wir eine Weile ins Auto. NatĂŒrlich mach ich mich dazu wieder ein bisschen „sauber“, wozu wir nun aber kein Trinkwasser mehr nehmen. Anna kam auf die gute Idee unser „Waschmaschinen-“Wasser zum „Duschen zu nehmen und mich danach nur mit klarem Wasser abzuspĂŒlen. Zum GlĂŒck, wir werden noch jeden Tropfen Trinkwasser brauchen.

Im Auto ist es sehr heiß und wir haben dauernd Durst. Es ist uns gelungen zumindest den Auspuff dauerhaft freizulegen und so lassen wir ab und an die Klimaanlage laufen. Leider mĂŒssen wir dazu auch den Motor laufen lassen und erschweren es uns dadurch die Motoren der Flugzeuge frĂŒh genug zu hören und das Zeitfenster, in dem diese uns sehen könnten ist eng. Vor allem in den nĂ€chsten Tagen entscheiden wir uns daher lieber zu schwitzen anstatt ein Flugzeug zu verpassen, auch wenn es ein zweischneidiges Schwert ist denn so steigt auch unser Wasserbedarf. Zwei kleine Flugzeuge fliegen heute ĂŒber uns hinweg, oder auch das selbe, in verschiedene Richtungen. Es sind kleine Maschinen die Touristen zu den Lodges im Park fliegen. Die Flugzeuge fliegen tief und wir springen bzw. klettern aus dem Auto um auf uns aufmerksam zu machen. Zwar klammern wir uns immer noch an die Hoffnung von selbst raus zu kommen, doch wir wollen vorsichtshalber nichts unversucht lassen. Die Fahrerseite (im sĂŒdlichen Afrika die rechte Seite) ist ringsum mit tiefen Schlamm umgeben. Auf der Beifahrerseite ist die „Böschung“ so hoch, dass sie fast in Höhe des Seitenspiegels ist und wir die TĂŒren unmöglich öffnen können. Wir können nur aus den geöffneten Fenstern klettern. Wenigstens schaffen wir es aber so, ohne einzuschlammen, das Auto zu verlassen. Leider reagieren die Flugzeuge nicht.

Gegen 15 Uhr geht das graben weiter. Anna hĂ€lt mich, wie auch schon morgens, mit Meldungen auf dem laufenden. Giraffe, weit weg. Elefant, ca. 15 Meter – auf jeden Fall ein Grund erstmal Pause zu machen und abzuwarten bis er weiter geht. Eine Herde Zebras hinter den BĂ€umen, ca. 30 Meter usw. Nichts wirklich Beunruhigendes, außer eben die Elefanten, aber es macht doch klar wo wir sind. Beiden ist die EnttĂ€uschung und die langsam spĂŒrbare Sorge anzumerken. Inzwischen wissen wir wie fest wir drinstecken. Der Unterboden sitzt komplett auf und umso mehr ich versuche „frei zu graben“, umso tiefer sinken wir, der Untergrund wird einfach nicht fest. Viel von dem Schlammwasser, das wir abgeschöpft haben ist wieder zurĂŒckgeflossen. Der Grundwasserspiegel ist wohl recht hoch und alles unterlegen nutzt nichts, alles versinkt im Schlamm.

Als es heute dĂ€mmert und wir noch immer in der selben Patsche stecken fĂ€llt es mir schwer die Schaufel hin zu legen. Auch wenn ich am Ende meiner KrĂ€fte bin und in der Zwischenzeit viele kleinere und grĂ¶ĂŸere Kratzer, Wunden und Blasen an den FĂŒĂŸen, den Beinen und den HĂ€nden habe grabe ich weiter. Einen ordentlichen Sonnenbrand haben wir bereits beide. Obwohl Anna langsam sehr böse wird und obwohl ich weiß das sie recht hat, will ich nicht auf sie hören. Ich weiß genau, dass keiner von uns noch eine Nacht hier sein will. Die Anspannung und die Sorge, ob es morgen funktioniert oder nicht, will ich uns ersparen. Außerdem wissen wir beide, dass, wenn wir nicht raus kommen, wir bei dem Wasserbedarf unser restliches Wasser bald aufbrauchen werden. Keine guten Aussichten.

Erst als wenige Meter neben uns ein Klan HyĂ€nen aufgeregt zu rufen beginnt sehe auch ich ein das es nun Zeit wird ins Auto zu klettern. Noch eben „Abgeduscht“, diesmal nicht einmal mehr Frischwasser zum Abwaschen der Waschwasserseife genommen, und ab ins Auto. Trotz allem haben wir zuvor noch unseren Gaskocher und ein paar Konserven aus der Proviantbox geholt. Wir mĂŒssen unbedingt was „ordentliches“ Essen.

Das Dosenfutter schmeckt furchtbar, das ist aber nur eines unserer Probleme. Das Stehen in der Sonne und das Graben fordert seinen Tribut. Das Auto stink inzwischen fĂŒrchterlich nach dem Faulschlamm, der innen und außen ĂŒberall klebt. Das Lenkrad, die Schaltung die TĂŒren und vor allem der Fahrersitz sind völlig verschmiert. Das essen fĂ€llt uns schwer. Der Geruch, zusammen mit der körperlichen Überanstrengung, dass wir zu wenig getrunken haben und dass unsere Sorge immer grĂ¶ĂŸer wird fĂŒhrt dazu, dass wir, obwohl wir kaum etwas gegessen haben, zu zweit von einer kleinen Dose noch was ĂŒbrighaben. Uns ist beiden schlecht.

Jetzt am Abend versuchen wir unseren FlĂŒssigkeitsmangel, um fĂŒr morgen Wasser zu sparen, mit etwas Bier auszugleichen. Diesmal freuen wir uns, dass das Bier hier so „schwach“ ist. Ein zu großer Alkoholanteil hĂ€tte unseren FlĂŒssigkeitsbedarf im Zweifel noch gesteigert. Weiterhin machen wir gute Miene zu bösen Spiel. Morgen ist auch noch ein Tag, sagen wir uns. Wir haben heute so viel gegraben, morgen noch mal dann wird’s schon. Wenn nicht kommt uns sicher jemand suchen oder ein Anderer Tourist wird diesen Weg fahren und uns finden. Eventuell schaffen wir es ein Flugzeug auf uns aufmerksam zu machen oder, durch rufen und mit unseren angeblich „lautesten Pfeifen der Welt“ irgendwie Aufmerksamkeit zu erregen. Zum GlĂŒck ist unser Tank randvoll und wir haben zusĂ€tzlich 20 Liter Diesel in einem Kanister dabei. Wir lassen den Motor eine Weile laufen und das Licht brennen um evtl. in der Dunkelheit gesehen zu werden. ZusĂ€tzlich Hupen wir SOS. Auch wenn wir wissen, dass die Chancen schlecht stehen, dass uns jemand hört oder sieht, immerhin sind wir, soweit wir wissen, in jede Richtung ĂŒber 30 Km von anderen Menschen entfernt, darf man nichts unversucht lassen. ZusĂ€tzlich bringen wir noch ein „NotfallgerĂ€t“ am Auto an, welches automatisch ein SOS-Lichtsignal in den Himmel sendet, vielleicht sucht ja in der Nacht jemand nach uns.

Wo wir gestern noch gescherzt haben sind die GesprĂ€che heute ernster. Wir machen uns langsam doch Sorgen und wĂŒnschen uns nur noch hier raus zu sein. Wir treffen auch die Entscheidung unser Wasser zu rationieren, zum GlĂŒck entscheiden wir jetzt schon so, und das macht uns die Situation noch klarer. So ein Scheiß



Sa. 21-04-2018

Tag 3

Es ist der Tag an dem uns klar wird das wir es ohne Hilfe nicht raus schaffen werden. Und mit den restlichen 13 Liter Trinkwasser und ein paar Bier, halten wir nicht sehr lange durch.

Obwohl wir denkbar gut vorbereitet und ausgerĂŒstet sind war die Nacht von Sorge bestimmt. Unterbewusst wissen wir schon, dass wir echt in Schwierigkeiten sind. Wir wussten es wohl schon am ersten Abend und die stĂ€ndige Anspannung ist unfassbar krĂ€fteraubend.

Den ganzen Tag, speziell abends und morgens Hupen wir regelmĂ€ĂŸig um eventuellen Suchmannschaften einen Hinweis zu geben wo wir sind und wir rufen und Pfeifen was die Lungen hergeben.

Heute haben wir sehr viel frĂŒher angefangen zu graben. Aber auch an diesem Morgen bestand Anna darauf erst etwas zu Essen. Sie hat so recht, wir brauchen die Energie.

Inzwischen grabe ich Nackt. Wenn wir hier raus sind oder wenn uns jemand findet will ich zumindest noch irgendetwas sauberes zum Anziehen haben. Der Schlamm um unser Auto ist so tief das ich oft bis ĂŒbers Knie einsinke. Immer wieder ausrutsche und spĂ€testens, wenn ich unter dem Auto liege und versuche den Unterboden frei zu graben völlig mit dem widerlichen Matsch bedeckt bin. Dazu kommt, dass der Matsch in der heißen Sonne hart wird und ich mich in verschlammten Klamotten bald nicht mehr bewegen könnte. Außerdem wird davon sicher nichts mehr sauber werden und ich will nicht alles neu kaufen mĂŒssen.

Wie egal mir das in ein paar Tagen sein wird.

Anna steht auf dem Dach. Seit Stunden, es sind ja eigentlich schon Tage, steht sie da in der prallen Sonne und passt auf uns auf. Immer wieder mit Meldungen der Umgebung. Manchmal mĂŒssen wir kurzzeitig ins Auto und machen es so immer schlammiger und stinkender. Der Geruch ist furchtbar.

Noch heute haben wir ihn manchmal in der Nase.

Es ist kurz vor Mittag, Anna hat fĂŒr einen kurzen Moment ihren Wachposten verlassen und war vielleicht einem Meter in dem hohen Graß verschwunden. Als sie zurĂŒck kommt erzĂ€hlt sie etwas aufgeregt, dass sie eine große Schlange gesehen hat. Wie sie erzĂ€hlt fĂŒr meinen Geschmack zu nah. Wie sich spĂ€ter raus stellt viel zu nah. Sie sagt es war auf ArmlĂ€nge und die Schlange mĂŒsse tot gewesen sein, so nah wĂ€re sie sonst, wenn auch unabsichtlich, wohl nicht ran gekommen. Als ich sie ausfĂŒhrlicher befrage komme ich zu dem Schluss, dass es sich bei der GrĂ¶ĂŸe die Anna beschreibt, besonders wegen des Umfangs der Schlange, fast nur um eine Python handeln kann. Das wĂ€re nicht so schlimm, die sind nicht giftig. Vorsichtshalber sehe ich trotzdem nach und AnnaÂŽs Schlange ist verschwunden. Sie lag nur 1,5 Meter vom Auto entfernt und die Stelle ist leer. Nun, ich ergebe mich der Annahme und Hoffnung das sie wirklich ungiftig war oder dass sie tatsĂ€chlich tot und evtl. schon von einem Aasfresser geholt wurde und mache weiter.

Wieder ist es Mittag geworden und jetzt kommt die Erkenntnis. Aus eigener Kraft kommen wir hier nicht raus. Schweren Herzens gestehe ich Anna ein, dass ich nicht mehr weiß was wir jetzt noch tun können. Es ist der Moment, in dem wir wirklich nervös werden. Beide können wir die Sorge nicht lĂ€nger verbergen und gestehen uns ein, dass wir ĂŒber das, „was, wenn niemand kommt“, sprechen mĂŒssen. Wir haben nur zwei Möglichkeiten. Bleiben und auf Rettung hoffen oder zu Fuß losgehen. Beides nicht verlockend. Wenn wir bleiben geht uns schnell das Wasser aus, wenn niemand kommt, verdursten wir. Oder wir gehen los, solange wir noch Wasser und die Kraft dazu haben. Es sind wohl erst wenige Tage, doch unsere Situation wird nicht besser. Wir mĂŒssen es ernst nehmen – besser frĂŒher als zu spĂ€t. Bis zur nĂ€chsten rettenden Station sind es immerhin 33 Km. Zu Fuß durch den Bush zu laufen wĂ€re aber extrem dĂ€mlich. Zudem mache ich mir langsam Sorgen ob sich die Wunden an den Beinen speziell in der Fußsohle evtl. durch den Schlamm endzĂŒnden wĂŒrden. Ich könnte Anna nicht alleine gehen lassen.

Es ist klar ein Tiefpunkt fĂŒr unsere Psyche, doch wir beide geben uns gegenseitig viel Kraft. Anna trocknet sich einzelne TrĂ€nen auf den Wangen, die sie gern versteckt hĂ€tte und ich frage mich warum ich so dumm sein konnte hier rein zu fahren. Wie wohl vielen in einer solchen Situation fĂ€llt es uns schwer zu realisieren, dass wir gerade echt in dieser Situation feststecken. Immer wieder kommt es uns so irreal vor, sowas kennt man sonst nur aus dem Fernsehen. Wir können es manchmal nicht fassen und fragen uns warum und wie wir von jetzt auf gleich in einem solchen Szenario landen konnten. Wir trösten uns gegenseitig, Anna versucht mir die SelbstvorwĂŒrfe zu nehmen und wir sind uns wieder einmal ganz sicher, dass wir zusammengehören und es auch gemeinsam hier raus schaffen werden.

Den Vormittag ĂŒber hatten wir neben der Budlerei her auch Gras geschnitten um es fĂŒr ein Signalfeuer aufzustapeln und auch unser Auto ist nun schon voll auf Signalwirkung ausgerichtet. Wir haben eine lange Stange am GepĂ€cktrĂ€gerkorb auf dem Dach befestigt an der mein rotes T-Shirt im Wind weht. ZusĂ€tzlich haben wir eine Rolle Alufolie als Sonnenreflektionsschicht ĂŒber unser noch zugeklapptes Dachzelt gespannt und den Seitenspiegel den Anna gestern abgerissen hatte, ĂŒbrigens mit einer beeindruckenden Leichtigkeit 😊, um den Flugzeugen Blinkzeichen zu geben, haben wir ebenfalls zusammen mit unserem Warndreieck aufs Dach montiert.

Also sitzen wir wieder im Auto und Schwitzen. Unser Wasserbedarf ist enorm. Wir haben noch einige Liter Wasser aber wenn wir trinken wie wir wollen wĂ€re es spĂ€testens morgen Nachmittag aufgebraucht und es ist keinerlei Besserung unserer Situation in Sicht. Also wird, wie schon den ganzen Tag, weiterhin eisern rationiert. Langsam setzen die Kopfschmerzen ein und ab und an kommt Schwindel und ein „Wummern“ in den Ohren dazu. Als wir so im Auto sitzen und schwitzen entscheiden wir uns dann eben noch ein kaltes Bier zu trinken. Hört sich jetzt nach echtem Luxus an, so nach zwei Tagen im Bush noch kaltes Bier zu haben (der guten Batterie und dem KĂŒhlschrank sei Dank), heute wĂŒrden wir aber gerne jedes Bier gegen ein Glas Wasser tauschen. Als ich aus dem Beifahrerfenster steige um nach hinten zum KĂŒhlschrank zu gehen ĂŒberrascht mich ein GerĂ€usch, das ich noch nie gehört habe. Als es neben mir „puff“ macht bleibe ich regungslos mit einem Bein auf dem Boden und dem anderen Bein auf dem „Fensterrahmen“ stehen. Es dauert kurz bis ich eine sinnvolle VerknĂŒpfung finde. Einen Wimpernschlag spĂ€ter ein zweites „puff“. Im selben Moment weis ich was los ist. AnnaÂŽs Schlange ist keinesfalls tot oder harmlos gewesen und Anna hatte ein wahnsinniges GlĂŒck. Ich auch. Was mich da „anpufft“ ist eine Puffotter. Sie hat Ihren Namen von eben diesem GerĂ€usch welches sie, wie zB auch eine Klapperschlange, macht um zu warnen und klar zu signalisieren, dass man zu nah dran ist.

Zitat aus Wikipedia:

Die Puffotter ist fĂŒr die meisten Giftschlangenbisse in Afrika verantwortlich. Die GiftzĂ€hne sind sehr lang, das gelbe Gift ist gewebezerstörend und hemotoxisch. Ein Gift Biss fĂŒhrt zu starken Blutungen im Gewebe und zum Teil massiven Nekrosen. Eine ausgewachsene Puffotter hat einen Giftvorrat, der ausreichend ist, um 4 bis 5 Menschen zu töten. Sie ist nicht angriffslustig, beißt aber, wenn man ihr zu nahe kommt oder auf sie tritt.

Außerdem ist sie fĂŒr den schnellsten Biss in Afrika bekannt.

Auch wenn die Puffotter hoch giftig ist verlĂ€uft ihr Biss nicht automatisch tödlich, wenn spĂ€testens innerhalb 72 Stunden die richtigen Gegenmaßnahmen getroffen werden können. In unserer Situation gĂ€be es keinen Grund zur Hoffnung.

Vorsichtig und langsam hebe ich das auf dem Boden stehende Bein nach oben zum Fenster und da sehe ich sie dann auch und es ist ein wirklich sehr großes Exemplar. Sie ist nur Zentimeter weit weg und versucht gerade sich unterm Auto vor mir zu verstecken. Keine Ahnung wie lange wir schon an ihr vorbeigehen, neben ihr graben und Gras schneiden. Ich handele sofort. Die lange Stange fĂŒr den Wagenheber liegt auf den Autodach und ich schlage ihr mehrfach hart auf den Kopf, fische sie mit dem gebogenen ende unterm Auto vor und werfe Sie auf den Weg – sie bleibt reglos liegen.

Heute habe ich Gewissensbisse deshalb. NatĂŒrlich ist es „nur“ eine Schlange und wir mussten die Gefahr beseitigen, es geht mir aber nicht aus dem Kopf, dass sie uns beide oder eben zumindest Anna hĂ€tte töten können bevor wir sie bemerkten und sich „entschieden“ hat zu drohen anstatt zu beißen. Eine solche Frage stellte ich mir damals nicht. Obwohl die Schlange uns „verschonte“ habe ich sie sofort getötet und wĂŒrde es wieder so machen.

Zwischen 13 Uhr und 16 Uhr, wie immer, kamen wieder Flugzeuge vorbei. Durch die Schlange waren wir natĂŒrlich eine Zeitlang „abgelenkt“, versuchten aber trotzdem gesehen zu werden. Den Haufen Gras auf dem Weg haben wir schon abgebrannt um Rauch zu erzeugen und nun mĂŒsste neues Gras geschnitten werden. Nach der Sache mit der Schlange ist mir aber alles gleich und wir entscheiden uns fĂŒr drastischere Maßnahmen. Wir werden ein Bush Feuer entzĂŒnden und so die nötige Aufmerksamkeit erregen auch wenn wir dazu den ganzen Park abbrennen. Anna ist nicht meiner Meinung. Sie macht sich sorgen wegen der Tiere, die hier leben und wegen der rechtlichen Konsequenzen, die folgen könnten, wenn man in Afrika einfach nen Nationalpark abfackelt. Sicher gute EinwĂ€nde, mir aber inzwischen egal, ich hoffe das wir mit dem grĂŒnen Gras (die GrasflĂ€che kann man sich vielleicht wie ein giftgrĂŒnes Weizenfeld vorstellen) ĂŒberhaupt ein Feuer hinbekommen. Also verteile ich einige Liter Diesel im Gras, werfe ein paar GrillanzĂŒnder dazu, sonnst brennt das Zeug ja nicht, und hoffe das „Beste“.

Ergebnis wie befĂŒrchtet. Egal wieviel Diesel ich verteile, sobald der Diesel verbrannt ist lebt das Feuer nur noch wenige Augenblicke. Keine Chance. Allerdings brennen wir uns wenigstens, mit viel Diesel, einen schmalen, „sicheren Korridor“ um das Auto herum frei in welchem sich nun keine Schlangen, Skorpione oder dergleichen verstecken können.

Da der Plan mit dem Bush Feuer nicht klappen will schneiden wir wieder Gras um es in der Sonne „trocknen“ zu lassen. Nach einer Std. brennt es normal schon ganz gut und qualmt noch ordentlich. Wir wollen es wieder dort aufschichten wo wir bereits eine Feuerstelle hatten, nur da liegt jetzt die Schlange. Beim Platzieren der Feuerstelle versehentlich auf den Schlangenkopf zu treten wĂ€re fast so gefĂ€hrlich wie ein Bis. Das Gift in den GiftzĂ€hnen wĂŒrde immer noch reichen also muss der Kadaver dort weg. Zuerst möchte ich die Schlange einfach am Schwanz packen und wegwerfen, entscheide mich zum GlĂŒck aber anders. Um wirklich kein Risiko einzugehen nehme ich den Spaten, den ich ohnehin schon wieder in der Hand habe, um sie damit zu entsorgen. Als ich die Puffotter berĂŒhre zeigt sich wie gut diese Entscheidung war. Sicherlich habe ich sie schwer verletzt und sie wĂ€re garantiert noch gestorben, im Moment lebt sie aber noch und windet sich als sie die BerĂŒhrung spĂŒrt. Zwar erschrecke ich mich sehr, reagiere aber wieder sofort. Mit dem Spatenblatt schlage ich ihr den Kopf ab, auch wenn ich durch das „Gezappel“ der Schlange mehrfach zuschlagen muss liegt der Kopf bald darauf abgetrennt im Matsch. Es heißt man soll in einem Solchen Fall den Kopf vergraben um nicht spĂ€ter noch ausversehen drauf zu treten, das spar ich mir aber. Hier im Schlamm wĂŒrde es nichts nutzen, da sink ich immer wieder tief ein, weiter vom Auto weg zu gehen ist gefĂ€hrlich und außerdem mir fehlt die Energie um im harten Boden ein Loch zu graben.  Also hebe ich den Schlangenkopf mit dem Spaten an und werfe ihn soweit wie möglich weg vom Auto.

Feuer und Rauch hin oder her, die Flugzeuge reagieren wieder nicht. Kein „Fahne“ schwenken, kein rufen und pfeifen, kein Rauch und kein Lichtsignal nutzt etwas. Einzig einmal als ein Flugzeug „direkt“ durch unseren Rauch fliegt und ungewöhnlich kurz darauf wieder zurĂŒck kommt hat Anna Hoffnung. Sie ist sich sicher der Pilot hat uns gesehen, ich denke da anders. Es gibt Signale die Piloten in einem solchen Fall geben wĂŒrden wie das „wackeln“ mit den TragflĂ€chen und davon ist nicht zu sehen. Leider soll ich recht behalten. Der Flieger kommt nicht nochmal wieder und auch sonst keiner.

Obwohl ich weiß, dass Graben unterlegen und Fluchen nichts nutzen, können wir beide nicht einfach Schicksalsergeben rumsitzen und abwarten. Also schnapp ich immer wieder die Schaufel und Anna klettert aufs Dach. Alles was rumliegt wird untergeschoben. Unsere Leiter, Holz, Gras, Stoff, unsere Plane und einfach alles. Wir rĂ€umen das Auto komplett leer um so das Gewicht zu verringern. Alles was wir davon haben ist aber ein weiterer RĂŒckschlag. Wir versuchen alles was uns einfĂ€llt, hauptsĂ€chlich wird aber geflucht 😊

Als es Abend wird haben sich unsere Ansichten bezĂŒglich der „Rettung“ gewechselt. Anna sagt immer wieder, dass es doch nicht sein kann, dass niemand kommt um uns zu suchen, wir wĂ€ren immerhin im Nationalpark wĂ€hrend ich zwischenzeitlich eingesehen habe, dass eben niemand kommen wird.

Wieder gibts Dosenfutter, welches wir mit immer weniger Appetit runterwĂŒrgen und fast unangetastet wegwerfen. Wir sollten dringend etwas essen. Außerhalb vom Auto ist es im Dunkeln aber ganz klar zu gefĂ€hrlich und im Auto stinkt es unertrĂ€glich. Dass wir zu wenig getrunken haben macht unseren  Appetit auch nicht grĂ¶ĂŸer. Jeder Bissen wird von einem WĂŒrgereiz begleitet.

Zum hundertsten Mal studieren wir die Karte und berechnen unseren möglichen Wasserverbrauch. Wir mĂŒssen eine Entscheidung treffen und etwas tun. Es gibt verschiedene Möglichkeiten. Weiterhin Signale geben, warten und sinnlos buddeln, wenn dann aber niemand kommt besteht die echte Gefahr frĂŒher oder spĂ€ter zu verdursten, oder wir versuchen unser GlĂŒck mit laufen.

Wir entscheiden uns morgen unsere KrĂ€fte aufzuladen, soweit möglich, weiterhin Signale zu geben und auf Rettung zu warten und einen Tag spĂ€ter los zu laufen sollte niemand gekommen sein. Der Gedanke durch den Bush zu laufen macht uns fast panisch. Es fĂ€llt uns auch schwer uns zu entscheiden wo hin. Es gibt die Parallelstraße zu unserer – ca. 30km östlich, quer feldein – und es wĂ€re die „Hauptstraße“. Die Möglichkeit fĂ€llt trotzdem schnell raus. Unsere Sicht wĂ€re noch deutlich eingeschrĂ€nkter und ohne Weg verlĂ€uft man sich sehr schnell. Außerdem kommen evtl., Retter sicherlich auf dem Weg gefahren und nicht quer durch den Bush und wir könnten auch keine Nachricht hinterlassen wo man nach uns suchen kann.

Wir könnten nach Norden gehen – ca. 33km bis zum nĂ€chsten Camp (Camp Savute). In diese Richtung kĂ€men wir nach rund 20km wieder in hĂ€ufiger befahrenes Gebiet. Allerdings sind dort auch viele Wasserlöcher und damit erhöhtes Tierrisiko. Auch es frĂŒh genug dort hin zu schaffen, dass die Autos der Morgenfahrt noch da sind ist unwahrscheinlich und bis zu den Abendstunden zu warten ist zu lang und zu gefĂ€hrlich. Egal wie, muss uns in dem riesigen Gebiet dann erstmal eines begegnen. Ganz bis nach Savute zu laufen schaffen wir sicher nicht, dazu ist es fĂŒr einen Tag schlicht zu weit. UngeschĂŒtzt im Park Übernachten wollen wir keinesfalls und das Gebiet ist einfach zu Tierreich. ZusĂ€tzlich mĂŒssen wir bedenken, dass sĂŒdlich des Äquators die Sonne im Norden steht und wir, wenn wir nach Norden gehen den ganzen Tag die Sonne im Gesicht hĂ€tten. Was sich am Strand ganz nett anhört wĂ€re auf dieser Wanderung schnell unertrĂ€glich.

Westen fĂ€llt raus, da kommt ĂŒber 100km nichts.

Als letztes bleibt der Weg nach SĂŒden. Zum SĂŒdtor sind es rund 36km. Mit der Karte und unserem MapsMe sind die Entfernungen einigermaßen gut zu bestimmen. Hier hĂ€tten wir die Sonne im RĂŒcken, einen Weg zur Orientierung, auch fĂŒr eventuelle Retter. Allerdings kennen wir den Weg nicht da wir ja von Norden kamen. Auf der Karte ist kaum etwas eingezeichnet in diese Richtung, zum GlĂŒck auch wenige Wasserstellen. Nach ca. 15km soll eine Nebenstraße queren und nach weiteren 11Km ist ein Funkturm eingezeichnet, der uns fĂŒr die Nacht vielleicht etwas Sicherheit geben könnte, evtl. sogar Handysignal. Wenn wir es schaffen dort hin zu kommen stehen unsere Chancen besser. Trotzdem ist es sehr weit, 26km bis zum Funkturm durch den Chobe sind nicht ohne. FĂŒr meinen schlechten, linken Fuß eine echte Herausforderung und die Wunde in der rechten Fußsohle schmerzt auch. Was uns am Funkturm erwartet wissen wir auch nicht und evtl. mĂŒssen wir am Tag darauf dann noch die restlichen rund 10km zum Tor schaffen. Dass wir inzwischen immer wieder Probleme mit dem Kreislauf haben und eigentlich jetzt schon nicht mehr genug Wasser fĂŒr eine solche Wanderung durch den Afrikanischen Bush macht uns nicht optimistischer. Uns bleibt aber wohl keine Wahl.

Im Laufe des Nachmittags hatten wir unser Dachzelt aufgeklappt um die SpiegelflĂ€che mit der Alufolie zu vergrĂ¶ĂŸern. Leider gelingt es mir trotzdem auch heute nicht Anna zu ĂŒberreden im Zelt zu schlafen. Ihre Angst vor der Nacht hier draußen ist wohl einfach zu groß. FĂŒr morgen liegt unser Fokus klar im Aufmerksamkeit erregen und wir sind entschlossen alles dafĂŒr zu tun.

Die Nacht ist wieder unruhig und wieder sind die Rufe der HyĂ€nen um uns herum. Wir sind nicht in der Lage unsere Gedanken abzustellen. Wir haben Kopfschmerzen, wir hören das Blut in unseren Ohren rauschen und unser Herz schlĂ€gt ab und an so laut das wir denken der andere mĂŒsse es sogar hören. Es ist schwer zu beschreiben aber egal wie zuversichtlich man vielleicht ist, die stĂ€ndige Anspannung und die Erschöpfung zehren extrem. Nach ein paar Tagen leidet die Psyche und man hat einfach nur noch Angst. Immerhin waren wir noch nie in einer solchen Situation. Wir beide trĂ€umen schlecht und immer wieder wachen wir auf. Es sind wenige Std. Schlaf die wir heute Nacht bekommen. Die Gedanken an Morgen und Übermorgen und die Angst vor dem Marsch mit der Gefahr unterwegs doch noch von einer Schlange gebissen zu werden oder unterwegs angegriffen zu werden und evtl. verletzt im Bush liegen zu bleiben ist furchtbar.


So. 22.04.2018

Tag4

MĂŒde und mit Kopfschmerzen lassen wir es heute etwas ruhiger angehen. Heute waren die HyĂ€nen auch morgens zu hören, was uns, so verquer es sich auch erst anhören mag sogar beruhigt. Da sie sich hier „dauerhaft aufhalten mĂŒssen sie einen Bau in der nĂ€he haben. Das ist sehr viel besser als wenn sie zB. um die Ecke Beute gemacht hĂ€tten was zB. auch Löwen oder Leoparden anziehen könnte. Von HyĂ€nen geht fĂŒr den Menschen, zumindest im Wachzustand, eher selten Gefahr aus. Löwen um uns herum wĂ€ren aber ein echtes Problem und wir wĂŒrden uns wohl nicht trauen morgen los zu laufen.

Nach dem FrĂŒhstĂŒck bauen wir unser Pavillon auf und setzen uns darunter in den Schatten. Anna mahnt noch wegen des Risikos doch wenn wir morgen ohnehin loslaufen mĂŒssen kommt es darauf auch nicht mehr an. Dennoch hat sie recht. Das aussteigen ist normalerweise nicht einmal erlaubt um zu pinkeln. In einem von uns geschĂ€tzten Internetforum heißt es, das man sogar im Etosha Nationalpark in Namibia, einem deutlich ĂŒbersichtlicherem Park mit breiten Straßen, nicht einmal aussteigen soll, wenn man einen platten Reifen hat, den man wechseln muss um weiter zu fahren. Dort steht, man solle auf andere Autos warten die Hilfe holen oder man solle mit ihnen eine „Wagenburg“ um das eigene Auto bilden um es vor Angriffen abzuschirmen. So dramatisch sehen wir das nicht, haben wir noch nie. Unter normalen umstĂ€nden wĂŒrden wir aber niemals freiwillig, lĂ€nger als nötig unser Auto verlassen.

Der Pavillon hat einen weiteren positiven Effekt. Wir vergrĂ¶ĂŸern dadurch unsere FlĂ€che und somit die Chancen vom Flugzeug aus gesehen zu werden. Unsere Signalfeuer verlegen wir hin zu einen kleinen Baum. Zwar hĂ€tte ich lieber einen der GrĂ¶ĂŸeren gewĂ€hlt aber die sind doch etwas zu weit weg und am naheliegendsten von den großen BĂ€umen (vielleicht 25 m) haben wir bei der Suche nach einem geeigneten Baum auch noch viele Bodenlöcher entdeckt. Ob es nun die Baue der HyĂ€nen sind oder Warzenschein oder Stachelschweinlöcher können wir nicht sagen.

Um unseren Baum herum und in dessen Ästen werden nun alle möglichen Dinge angeordnet die dunklen Rauch produzieren. Da es hoffentlich auch heute wieder Flugzeuge geben wird, am Sonntag sind wir nicht 100%ig sicher, und wir gerne mehrere Versuche hĂ€tten teilen wir das Zeug etwas auf. Das erste Feuer ist allerdings als grĂ¶ĂŸtes, dunkelstes und langlebigstes geplant, vielleicht kommt ja nur ein Flugzeug. Einer unserer Ersatzreifen, den zweiten bekommen wir nicht unterm Auto hervor, unsere geliebten StĂŒhle, unser Plastiktisch eine Gummiplane und allerhand anderes sollen schönen schwarzen Qualm machen. Wir trĂ€nken etwas Stoff als AnzĂŒnder mit Diesel und packen geschnittenes Gras drauf. ZusĂ€tzlich legen wir ein Feuerzeug, einen GrillanzĂŒnder und meine Trinkflasche mit Diesel gefĂŒllt bereit um sofort ein ordentliches Feuer zu haben.

Dann gilt es Vorbereitungen zu treffen. Auf unserem Weg durch den Park morgen kann es sein das Garnichts passiert oder aber auch das alles schief geht. Wir wollen soweit wir können optimal vorbereitet sein. Es besteht die Gefahr angegriffen zu werden, von Löwen, Leoparden, Elefanten, BĂŒffeln oder sonstigem gefĂ€hrlichen Wild oder aber auch einfach nur von nem schlechtgelaunten Zebrahengst. Wie also könne wir dem begegnen. Wir ĂŒberlegen uns das Abschreckung sehr viel effektiver ist als Gegenwehr (mit meinem Messer gegen einen Löwen oder Elefanten KĂ€mpfen zu wollen ist ziemlich lĂ€cherlich) und wir entwickeln Ideen und Taktiken. Der Feuerlöscher aus dem Auto hĂ€tte wohl, plötzlich gezĂŒndet, die grĂ¶ĂŸte Schreckwirkung und so werde ich diesen morgen in der Hand tragen. ZusĂ€tzlich nehmen wir natĂŒrlich unser Pfefferspray mit, eine Dose Insektenabwehrmittel und ein Feuerzeug um damit eine Stichflamme zu erzeugen und meine Trinkflasche voll mit Diesel. Der Diesel soll uns außerdem schlecht riechen lassen und zusammen mit der Fahne, die ich am Rucksack tragen werde und der Alufolie, die wir um unsere HĂŒte wickeln werden, und welche auch noch die Sonne besser von unseren Köpfen fernhalten soll, fĂŒr ein möglichst verwirrendes, abschreckendes Gesamtbild sorgen. NatĂŒrlich werden wir fĂŒr alle FĂ€lle auch unsere Messer mitnehmen und unser Beil, mit welchem wir uns nicht nur verteidigen könnten. Auch könnten wir damit ein eventuelles Schloss am Funkturm aufbrechen bzw. zerschlagen und wenn wir dort kein Netz bekommen evtl. eine Leitung zerstören damit ein Reparaturteam ausrĂŒckt. Anna wird zwei Blechteller in der Hand tragen um durch LĂ€rm abschrecken zu können, welche, wie auch schon unsere Fahne, die AlufolienhĂŒte und die extra gewĂ€hlten roten T-Shirts als Signalgeber dienen können und wir nehmen auch unsere „lautesten“ Pfeifen der Welt mit. Die Pfeifen sind wirklich so laut das sie in den Ohren Schmerzen und wir hoffen, dass unser Aussehen, unser Geruch und der mögliche Krach alles von uns fern hĂ€lt.

Danach ist das Thema Krabbelviecher und Schlangen an der Reihe. Anna hatte die spitzen Idee etwas um unsere Waden zu Wickeln um GiftzĂ€hne und Stacheln von unserer Haut fern zu halten. Speziell Schlangen beißen leider meist oberhalb des Knöchels und somit ĂŒber unseren Stiefeln zu. Dazu fĂ€llt mir dann ein, dass die Schaumstoffmatten die wir im Kofferraum als Untergrund ausgelegt haben dafĂŒr wohl am besten geeignet wĂ€ren. Diese schneiden wir passend zu und werden sie mit Kabelbindern um die Waden befestigen. Klappt dann auch wirklich gut.

Da wir davon ausgehen nicht die gesamten 36km an einem Tag zu schaffen und wir auch nicht davon ausgehen können am Funkturm direkt auf Rettung zu stoßen packen wir unser kleines Zelt und unsere SchlafsĂ€cke ein. ZusĂ€tzlich wird morgen noch alles was ein Lichtsignal von sich geben kann im Rucksack landen.

Es sind nur noch rund 8 Liter Wasser da und 4 Bier. Diese Menge muss noch fĂŒr 3 Tage Reichen. Selbst wenn wir am Auto bleiben zu wenig, mit dem bevorstehenden Marsch wird es unmöglich reichen und so versuchen wir heute den Tag ĂŒber nichts zu trinken. In einer Doku haben wir einmal gesehen das man in einer solchen Situation am besten nur im Dunkeln trinkt. So soll das maximum der FlĂŒssigkeit im Körper bleiben und nicht direkt wieder rausgeschwitzt werden. Das ist aber genau so schwer wie es sich anhört bei 36° im Schatten. Nachdem wir alles Erdenkliche getan haben beginnt das Warten auf die Flugzeuge.

Das ganze Adrenalin im Blut und die Unruhe in uns war viel leichter zu ertragen als wir was zu tun hatten. Jetzt da wir nur rumsitzen um Wasser und KrĂ€fte zu sparen machen wir uns verrĂŒckt.

Heute ist der heißeste Tag seit wir hier sind. Zum GlĂŒck sitzen wir im Schatten außerhalb vom Auto und hören so auch noch besser das MotorengerĂ€usch des ersten Flugzeuges. Ein GerĂ€usch, auf welches wir immer hoffen, inzwischen aber auch hassen. Die Hoffnung ist immer groß, alles was in den letzten Tagen aber danach blieb war EnttĂ€uschung und Sorge. Auch heute noch werden wir angespannt und wĂŒtend, wenn wir dieses Brummen hören.

Jetzt ist aber keine Zeit zu fluchen, jetzt muss Feuer gemacht werden. Diesel aufgeschĂŒttet, GrillanzĂŒnder brennend dazu geworfen und das Feuer brennt lichterloh mit tiefschwarzem Qualm. Der Ersatzreifen qualmt erwartungsgemĂ€ĂŸ am dunkelsten und der ganze Baum steht in Flammen. Die RauchsĂ€ule ist so schwarz, dicht und hoch, dass man sie sehen muss. Um das Feuer am Leben und Qualmen zu halten verbrennen wir an diesem Tag alles was brennt. Viele Hundert Euro Equipment lösen sich in Rauch auf und hinterlassen, wie auch der ganze Baum, nur Asche und etwas Metallschrott. Der Pilot ignoriert uns aber eisern. Von dem Flugzeug und auch von den nĂ€chsten beiden kommt keinerlei Reaktion. Wir können das nicht verstehen und unsere EnttĂ€uschung, Angst und Wut wird immer schlimmer. Als der Moment kommt da erfahrungsgemĂ€ĂŸ keine Flugzeuge mehr kommen haben wir auch nichts mehr zu verbrennen und so ergeben wir uns der Niederlage.

Gut dass wir uns vorbereitet haben. Wir haben auch heute wieder die Schlacht verloren sind aber nicht bereit aufzugeben. Vor allem Anna hĂ€lt die Moral aufrecht. Zwischenzeitlich hatte ich ein echtes tief und die Angst einer von uns könnte verletzt im Bush sterben oder davor das ich alleine weitergehen muss macht mich fertig. Aber auch Anna hat langsam ihre Schwierigkeiten und so ist es dann bald an mir sie wieder aufzubauen. Irgendwie schaffen wir es so uns gegenseitig weiter anzutreiben und immer, wenn der eine einknickt holt ihn der andere zurĂŒck.

Wir reden viel, noch mehr als in den letzten Tagen. Wir reden, weil wir nervös sind, wir reden, weil wir immer wieder an unserem Plan rummachen (heute denke ich wir versuchten ihn dadurch zu vermeiden), kommen aber immer wieder dahin zurĂŒck das unser Plan der einzige ist der funktionieren könnte und wir reden miteinander, weil wir uns nicht sicher sind wie oft wir das noch können. Wir versuchen uns wohl alles zu sagen was wir noch sagen wollten, einiges was uns aufbauen soll und manches was man sich nach 10 Jahren Ehe vielleicht nicht mehr immer oft genug sagt. Der Tag ist hart und hat doch sein gutes. Wieder stellen wir fest wie glĂŒcklich wir, meistens 😊, miteinander sind, wie sehr wir den anderen schĂ€tzen und Lieben. Wenn schon scheiße dann wenigstens zusammen.

Wir nehmen uns viel in den Arm und denken und erinnern uns sehr dankbar daran auf wieviel wunderschöne Erlebnisse wir gemeinsam zurĂŒckblicken können. Daran, dass es nicht immer leicht war und wir auch in den schlechten Zeiten immer zusammen gehalten haben. Wir finden sogar unseren Humor wieder und ziehen uns gegenseitig etwas auf.

Es gibt aber auch betrĂŒbliche Themen. Wir besprechen den Plan immer wieder und auch was schief gehen kann. Wir reden ĂŒber unser verhalten im Ernstfall und auch ob und wie wir evtl. alleine weiter gehen wĂŒrden und was wir dem anderen fĂŒr die Zukunft wĂŒnschen- und, wir schreiben einen Brief. Einen der unseren Lieben zuhause erklĂ€ren wĂŒrde was passiert ist, wenn wir es nicht schaffen. Wir verabschieden uns darin, entschuldigen uns fĂŒr unsere Dummheit und machen merkwĂŒrdigerweise unseren Frieden. Nach diesem Nachmittag sind wir tatsĂ€chlich im Reinen mit uns und der Welt und miteinander so glĂŒcklich wie eh und jeh.

Wir sind, obwohl wir heute keine großen Anstrengungen unternommen haben, genauso erschöpft wie die Tage zuvor. Hupen, BrĂŒllen, Lichtsignale, wieder hat alles nichts genutzt und es wird bald Zeit zu schlafen. Wie auch in den letzten Tagen haben wir kein Wasser fĂŒr ZĂ€hneputzen, Kochen oder Kaffee machen „verschwendet“ und versucht unseren FlĂŒssigkeitsbedarf mit Bier, welches wir zum GlĂŒck dabei hatten und welches immer noch Ideale Trinktemperatur hat 😊, etwas aufzufangen. Davon haben wir jeder noch zwei getrunken, unsere letzten. Zwischenzeitlich wird uns aber schon vom zischen der Dosen beim Öffnen schlecht. Trotzdem haben wir es geschafft heute kaum Wasser zu trinken und somit noch 6 Liter Wasser ĂŒbrig. Mehr als wir dachten aber eigentlich zu wenig fĂŒr eineinhalb Tage Wanderung in Afrika.

 

Heute ist Anna einverstanden im Dachzelt zu schlafen. Was soll schon passieren was morgen nicht viel wahrscheinlicher passieren kann und wer weiß ob es nicht unsere letzte Gelegenheit ist uns im Arm zu halten. Außerdem mĂŒssen wir heute dringend besser schlafen als die letzten NĂ€chte in denen wohl keiner von uns mehr als ein paar Std. Schlaf gefunden hat. Wir werden unsere Kraft brauchen und unser Kreislauf sollte sich etwas stabilisieren. Leider klappt der Plan nicht bei beiden gleich gut. WĂ€hrend ich mich deutlich beruhige und recht gut schlafe gelingt es Anna weniger gut. Ob die HyĂ€nen heute Nacht gerufen haben wissen wir nicht mehr. Am nĂ€chsten Tag haben wir aber beide zumindest besser geschlafen als im Auto und
 wir haben unseren Frieden gemacht.


23.04.2018

Tag 5

Heute wachen wir noch vor dem Sonnenaufgang auf. UrsprĂŒnglich war der Plan um 10 Uhr los zu laufen um die heißesten Std., in denen die Tiere im Schatten dösen, zu nutzen. Die Sonne ist aber auch unser Feind bei der Wanderung und angeschlagen wie wir sind wird der Weg schwer genug. Es ist nicht zu unterschĂ€tzen, wenn wir unterwegs irgendwo ein Kreislaufproblem bekommen vor allem da wir es uns nicht leisten können mit genĂŒgen Trinken entgegenzuwirken. Im Dunkeln gehen wir aber nicht nach unten.

Als die Sonne endlich rauskommt hĂ€lt uns nichts mehr im Zelt. Wir mĂŒssen noch was Essen, MĂŒsli mit Milch hatten wir extra aufgehoben, dann unsere Sachen packen, und abschließend prĂ€parieren und nochmal alles checken. Als wir soweit sind hinterlassen wir eine Nachricht auf der Motorhaube was passiert ist und was wir vorhaben, mit einer Karte welchen Weg wir nehmen werden. Vielleicht kommt ja jemand vorbei der dann nach uns suchen kann. Wir hinterlassen unseren Brief, zusammen mit einem unserer PĂ€sse (den anderen nehmen wir mit um uns ausweisen zu können) und den Adressen, zu welchen er geschickt werden soll falls wir es nicht raus schaffen, auf dem Armaturenbrett. Das Auto werden wir offen lassen und einen SchlĂŒssel lassen wir ebenfalls stecken. Wenn wir hier raus sind und es nicht nötig ist wollen wir nicht zurĂŒck mĂŒssen um das Auto zu holen. Wir sind bedient.

Wie schon gestern sehnen wir uns gerade einfach nach Sicherheit und wollen nur hier raus. Ein gemĂŒtlicher Abend bei Freunden mit so viel WASSER (kein Bier) wie wir trinken können und ein sicheres geregeltes Zuhause wĂ€ren uns jetzt sehr viel lieber als jedes Abenteuer.

Die letzten Vorbereitungen sind abgeschlossen. Alles ist in den RucksĂ€cken verstaut, unser Sicherheitsequipment ist verteilt wir sind angezogen mit Alu Hut und Schlangenabwehrschaumstoff und wir sind dick mit Sonnencreme eingeschmiert. Wir stinken nicht nur nach Diesel und AntimĂŒckenspray, sondern auch nach Faulschlamm und fĂŒnf Tage nicht Duschen. Vermutlich sind wir unattraktiv genug. Ein letztes Mal versuchen wir hier raus zu fahren, vielleicht geschieht ja ein Wunder. Leider nicht.

Beide wollen wir nicht mit Angst im Herzen los gehen und so vereinbaren wir, nun nur noch positiv zu denken. Wir drĂŒcken uns, sagen uns noch etwas Liebes und verdrĂŒcken doch noch ne TrĂ€ne. Dann heißt es Gehirn aus, Beine an und versuchen den Spaziergang zu genießen 😊. Es ist ca. 8 Uhr, viel frĂŒher als geplant und doch war es die richtige Endscheidung. Der Tag heute wird noch heißer werden als der gestrige, was sicher auch unser GlĂŒck ist, so werden auch weniger Tiere unterwegs sein aber deshalb schwitzen wir jetzt schon im Stehen.

Dennoch bleibt es gefĂ€hrlich und es fĂ€llt uns schwer zu entscheiden ob wir versuchen sollen durch Krach alles zu verjagen oder ruhig durch den Bush gehen und so vielleicht auch mal „durchschlĂŒpfen“ ohne die Tiere erst neugierig zu machen. Da es im laufe der Wanderung sehr anstrĂ€ngend wird und unsere Kehlen völlig ausgetrocknet sind erĂŒbrigt sich dieser Gedanke aber schnell und so wird es ein stummer Marsch nur unterbrochen von den Fragen des Befindens des jeweils anderen.

Bereits auf den ersten Meter kommt die erste Warnung. Wir können das Auto sogar noch sehen, vielleicht 200 Meter, als wir einen frischen, noch glĂ€nzenden in der Morgenluft dampfenden Elefantenhaufen direkt auf dem Weg liegen sehen. Wenige Minuten SpĂ€ter finden wir noch ein großes Drittsigel eines Löwen und Anna ermahnt mich das es jetzt keine gute Idee ist Spuren zu lesen. Sie hat recht, das macht nur noch nervöser und wir wollten keine Angst haben. Also nochmal, Gehirn aus!!!

Der Marsch ist sehr anstrengend. Selbst zu Fuß ist es nicht immer ganz einfach dem Weg zu folgen und bei allem guten Willen kommen wir eben nicht drum rum nervös zu sein. Das hohe Gras lĂ€sst nur ein paar Meter Sicht zu. Die Sonne brennt immer unbarmherziger und wir leiden Durst. Wir mĂŒssen das Wasser unbedingt einteilen. Wir haben es uns ausgerechnet und wenn wir nicht sparen kommen wir nicht am Ziel an. Vor allem Anna hat immer wieder Probleme mit dem Kreislauf. Leider kann ich ihr nicht erlauben sich in den Schatten zu setzen um auszuruhen. Schatten ist an einem solche Tag eine gefĂ€hrliche Zone und ein am Boden sitzender Mensch ist eine sehr viel verlockendere Beute als ein aufrechtstehender. Wir bleiben aber ab und an stehen um zu verschnaufen, vor allem immer dann, wenn wir wieder etwas trinken dĂŒrfen. Allerdings ist auch die Menge strikt begrenzt, unser Rationierungsplan erlaubt einfach nicht das wir trinken so viel wir wollen. Wir dĂŒrfen maximal alle 5Km insgesamt 800ml Wasser verbrauchen und wir behalten den letzten Schluck immer im Mund. Das funktioniert ganz gut, so hat man ein feuchtes GefĂŒhl im Mund und kann mit kleinen SchlĂŒckchen immer wieder gegen den trockenen Hals angehen.

Unser Schlangenabwerschaumstoff erlaubt uns relativ flott zu gehen ohne bei jedem Schritt erst den Boden absuchen zu mĂŒssen. Wobei die meisten Schlangen ohnehin fliehen, wenn sich etwas Großes nĂ€hrt. Nur die blöden Puffottern bleiben normal liegen. Auf der Strecke laufen wir ein vielen Erd- Bauen und einigen Wasser- bzw. Schlammstellen vorbei und versuchen diese Umgebung dann immer schnellstmöglich zu verlassen. Mindestens eine Ansammlung von Erdlöchern ist klar ein HyĂ€nenbau und die Hinterlassenschaften derselben finden wir auf dem gesamten Weg immer wieder.

Wir verscheuchen unterwegs eine Herde Zebras, die nicht froh sind uns zu sehen, eine einzelne, mĂ€nnliche Elandantilope die ĂŒberraschend panisch flieht und eine Giraffe. Wobei die Giraffe sichtlich irritiert ist und wohl nicht ganz weis ob sie weglaufen oder zu uns kommen soll. Vielleicht sehe ich fĂŒr sie mit der Teleskopstange an deren Ende eine orangefarbene Stofftasche weht wie ein mutierter Artgenosse aus. Ansonsten bleibt aber zu unserem riesen GlĂŒck und unserer Erleichterung alles ruhig. Trotzdem können wir es nicht vermeiden bei jedem aufschreckenden Vogel zusammen zu zucken. All die Viecher hier wissen das sie schwer zu sehen sind und fliehen dann erst im letzten Moment direkt vor unseren FĂŒĂŸen. Ab und an raschelt es im Gras und in sehr unĂŒbersichtlichen Stellen kostet es manchmal Mut zwischen den BĂ€umen oder um die Ecke zu gehen, doch sonst bleibt alles ruhig.

Wir sehen einige Anzeichen von Großwild welche uns zur Vorsicht mahnen. Löwenspuren, sehr viel Elefantenspuren und deren Hinterlassenschaften. Abgebrochene Zweige und umgedrĂŒckte BĂ€ume. Die Verursacher sind aber nirgendwo zu sehen. Das beruhigt uns zwar aber wir wissen auch dass sich das jederzeit Ă€ndern kann. Wir wollen einfach nur hier raus.

Einmal verlieren wir fast den Weg und mĂŒssen nach einer kurzen suche hoffen, dass wir ihn wieder gefunden haben und noch richtig sind. Umso grĂ¶ĂŸer ist die Erleichterung als wir in ein paar Hundert Metern Entfernung ein Wegweiser sehen. Die Wegweiser hier im Park sind auf dem Boden „stehende“ Betonklötze, auf denen oft nichts mehr zu lesen ist. Als wir an diesem ankommen können wir tatsĂ€chlich nichts darauf entziffern. Da aber kein anderer Querweg kam, außer die immer wieder verwirrenden Wanderwege der Tiere und auf unserer Karte auch kein anderer Weg eingezeichnet ist muss dies nun die angepeilte Nebenstraße sein, die uns zum Funkturm bringen wird. Auch dass dieser Weg recht gut befahren aussieht macht uns Hoffnung.

Zum Funkturm sollen es noch rund 10km sein, unsere Wasser-Politik geht bisher ganz gut auf und wir werden auch das noch schaffen. Leider hat Anna jetzt ein echtes Tief. An einem denkbar ungĂŒnstigen Platz muss ich sie noch etwas davon abhalten sich zu setzen. Bei den Vielen Bodenlöchern hier direkt am Wasser ist das Risiko viel zu hoch und so schleppt sie sich tapfer noch ein paar hundert Meter weiter bis zu einem Baum direkt an der Straße. Dann ist ihre Grenze aber erreicht und sie setzt sich völlig erschöpft in den Schatten und kĂ€mpft mit dem Brechreiz. Ganz klar ein Zeichen der Überanstrengung. Ich gebe ihr zu trinken und zwinge sie mehr zu trinken als wir es uns erlauben können. Sollte sie hier einen Kollaps haben kommen wir sicher nirgends mehr an. Sie gönnt sich aber trotzdem nur ein paar wenige Minuten, in denen ich versuche die Umgebung im Auge zu behalten.

Den Schatten zu verlassen und weiterzugehen ist gar nicht so einfach. Es ist jetzt ca. 12 Uhr. Wir wollten schneller voran kommen doch in dem unebenen GelĂ€nde und dem hohen Gras, nebenher auf Gefahren achten und ab und an verschnaufen war es fĂŒr uns doch ein Gewaltmarsch. Auch weil die Sonne und der Durst uns inzwischen deutlich zusetzten. Nach den zurĂŒckgelegten rund 15 km tun uns die Beine weh und wir fĂŒhlen uns allgemein nicht mehr besonders gut.

Als wir hier auf den Weg kamen wussten wir, dass wir einen großen Schritt in Richtung Sicherheit gemacht haben. Der gute Zustand der Sandpiste erleichterte das Laufen deutlich und wir kamen etwas „leichter“ voran. Trotzdem glaube ich im ersten Moment ich sehe Wunschbilder als ich das blitzen einer Autoscheibe vor uns sehe. Wie oft haben wir uns in den letzten Tagen gewĂŒnscht das GerĂ€usch eines Motors zu hören und dann ein Auto um die Ecke biegen zu sehen. Jetzt sehe ich eines und glaube es nicht. Erst als Anna sagt: „da kommt ein Auto“ traue ich meinen Augen.

Das wir soviel GlĂŒck haben und hier tatsĂ€chlich auf ein Auto treffen hĂ€tten wir nicht erwartet. Ich drĂŒcke Anna fest und wedele mit beiden Armen damit wir auch ja gesehen werden. Zu unserem Schrecken wird das Auto langsamer. Wir glauben schon es wĂŒrde anhalten und umdrehen aber der Fahrer entscheidet sich wohl doch weiter auf uns zu zufahren, nun aber sehr viel langsamer als zuvor. Irgendwie kommt uns das komisch vor.

Als das Auto neben uns hĂ€lt können wir unsere GefĂŒhle schwer BĂ€ndigen. Zu groß ist noch immer die Angst und gleichzeitig die Erleichterung jetzt bestimmt sicher zu sein. Wie sich zeigt sind wir es ab jetzt tatsĂ€chlich. Im Auto Sitzen Simone und Patrik, ein junges Paar aus MĂŒnchen auf ihrer Hochzeitsreise. Die beiden waren bei unserem Anblick verunsichert und wussten nicht ob sie weiterfahren dĂŒrfen. Mit unserem Anblick, unseren metallisch glĂ€nzenden HĂŒten, der Am Rucksackbefestigten Orangenen Fahne an einer Stange und was wir sonst so rumschleppen wussten die beiden verstĂ€ndlicher weise erstmal nichts anzufangen. TatsĂ€chlich bestand wohl kurzzeitig das Risiko, das die beiden umdrehen. Wir können das heute aus ihrer Sicht völlig verstehen. Sie dachten an Straßenarbeiten, Insektengift Verteilung oder sonst etwas was zur Sperrung der Straße hĂ€tte fĂŒhren können. Zum GlĂŒck fĂŒr uns waren die beiden trotzdem mutig genug sich die Sache erst einmal anzusehen.

Aufgeregt und unter TrĂ€nen erklĂ€ren wir ihnen unsere Situation. Kurz befĂŒrchte ich, anhand was sie sagen, schon die beiden wollen uns nicht einsteigen lassen. Das ist aber wohl nur unserer Aufregung geschuldet denn die beiden sind sofort super nett und hilfsbereit. NatĂŒrlich nehmen sie uns mit, bieten uns Wasser und Essen an und nach rund 17km Fußmarsch und am Rande der Erschöpfung ist es endlich ĂŒberstanden.

Die Isotonische Sportbrause, die wir bekommen tut sehr gut und auch Anna stabilisiert sich zusehends. Auch wenn ich ihr im Gesicht ansehe, das ihr die Angst noch in den Knochen steckt. Unterwegs war sie sehr tapfer, jetzt da wir hier sitzen holt es sie ein wenig ein. Nichts desto trotz ringt sie sich das ein oder andere LÀcheln ab und wird nach und nach ruhig. Meine NervositÀt oder eher das diese sich löst zeigt sich indem ich stÀndig plappere. Ich glaube das meiste ist ziemlich doofes und belangloses Zeug aber ich kann in dem Moment nicht anders.

Simone und Patrik nehmen uns mit ins Camp Savute in welches sie ohnehin unterwegs waren. Das ist eine gute Entscheidung. Zwar kommen wir so erst nicht aus dem Park aber am Tor sitzt ja auch nur die Dame hinterm Tresen. Im Savute allerdings gibt es auch einen Posten der Anti Wilderer Einheit, einen kleinen Laden, Telefon und Übernachtungsmöglichkeiten. Unser GlĂŒck setzt aber noch einen drauf. Simone ist KinderĂ€rztin und so sind wir unter diesen umstĂ€nden wohl in den besten HĂ€nden was unseren Gesundheitszustand angeht. Sie schaut sich alle Kratzer an und befindet das wohl nur der in meiner Fußsohle ein Problem werden könnte. Ich solle beobachten ob er sich entzĂŒndet und spĂ€ter gibt sie mir noch Antibiotika fĂŒr den Fall der FĂ€lle.

Wir sind sicher. Jetzt mĂŒssen wir die Sache nur den Parkmitarbeitern erklĂ€ren und eine Lösung finden. Wir erzĂ€hlen unsere Geschichte viele Male. Nachdem wir sie das erste Mal einem Mitarbeiter der Anti Wilderer Einheit erzĂ€hlt haben will jeder der Anwesenden sie hören. Anfangs kann keiner glauben das wir 4 NĂ€chte festsaßen und dann heute eine solch lange Strecke zu Fuß durch den Park gelaufen sind. Unser Zustand und die Tatsache das unser Auto noch mitten im Park steht vertreibt die kurze Skeptik. Heute wissen wir das es fĂŒr die umstehenden nicht ganz einfach war zu realisieren was das alles tatsĂ€chlich bedeutet, wenn man in einer solchen Situation feststeckt und das es eben dauert den Umfang zu erfassen.

Nach ein paar Minuten und einigem ErklĂ€ren kommt der Vorgesetzte der Ranger, dem wir die Geschichte erneut erzĂ€hlen mĂŒssen. Er allerdings sucht auch direkt nach einer Lösung. WĂ€hrend die Mitarbeiter noch lautstark ĂŒber uns diskutieren und wir immer wieder mitbekommen wie außergewöhnlich unser Fall ist und das so etwas noch nie vorkam, zumindest nicht mit guten Ausgang, vergrĂ€bt ihr vorgesetzter stĂ€ndig sein Gesicht in den HĂ€nden. Ihm ist sofort klar welches GlĂŒck wir hatten und was es auch fĂŒr seine Einheit bedeutet hĂ€tte, wenn wir es nicht geschafft hĂ€tten. SpĂ€ter wird er noch sagen das er es ganz genau so gemacht hĂ€tte. Man soll so lange warten wie möglich, muss aber auch erkennen wann es Zeit wird zu handeln.

Nachdem alle Fragen beantwortet sind geht’s daran Lösungen zu finden. Wir kommen heute nicht mehr aus dem Park raus, dazu sind die Wege zu weit und zu schlecht. Wir haben aber auch keine Übernachtungsmöglichkeit und alle Lodges sind offensichtlich ausgebucht. Zum GlĂŒck kommen hier wieder unsere beiden Retter ins Spiel und bieten an das sie Ihren Campingplatz mit uns teilen. Unfassbar das keiner hier im Park eine Lösung finden wĂŒrde und wir in dieser Lage auf die Freundlichkeit anderer Touristen angewiesen sind. ZusĂ€tzlich mĂŒssen wir den Platz, obwohl er von Simi und Patrik bereits bezahlt wurde, fĂŒr uns nochmal bezahlen. Unfassbar. Am Abend machen die zwei uns sogar noch eine leckeres Risotto, genau das richtige fĂŒr unseren angeschlagenen Magen, und versorgen uns auch ansonsten mit allem was wir brauchen.

Die Frage der Übernachtung und der Verpflegung ist auch geregelt und nun geht es darum unser Auto zu bergen. Hier taucht direkt das nĂ€chste Problem auf.  Der Chef-Ranger fragt uns wo ungefĂ€hr wir feststecken, was ich ihm auf der Karte ziemlich genau zeigen kann, und wie tief wir drin stecken. Sein Problem ist, das der Weg weit ist und im Moment kein Diesel vorhanden ist. Mit dem kleinen 45 Jahre alten Mercedes G Klasse bekommt er unser Auto nicht frei und das einzige grĂ¶ĂŸere Fahrzeug, das betankt ist kann er nicht riskieren. Was wenn wir damit ebenfalls stecken bleiben, dann wĂ€re kein anderes Fahrzeug zur Bergung da.

Nach einigem hin und her wird klar, dass ich heute nochmal in den Park muss. Um bei Simi und Patrik auf dem Campingplatz ĂŒbernachten zu können sollten wir noch ein paar Dinge aus dem Auto haben die wir nicht mittragen konnten und so bin ich mehr oder weniger gezwungen begleitet von den Rangern in der uralten G Klasse wieder rein zu fahren. Anna wird im Camp bei Simi und Patrik bleiben die sich gut um sie kĂŒmmern. WĂ€hrend ich unterwegs bin wird sie von den beiden Popcorn und Pancakes serviert bekommen und alles was sie zum Duschen so braucht und sie darf ihr Satelitentelefon nutzen und ruft damit meine Mutter an. Immerhin haben wir uns Tagelang nicht gemeldet und hatten ein Skyptelefonat vereinbart. Wer weis ob sich nicht schon jemand große Sorgen macht.

FĂŒr mich heißt es nun rein in den Benz. Es kommt mir alles ungeheuer Irreal vor. Anna und ich sind alleine und zu Fuß durch den Bush gelaufen, zum GlĂŒck ging alles gut. Die Jungs hier wollen deutlich mehr Sicherheit. Insgesamt sitzen wir zu fĂŒnft im Auto. Vier Soldaten der Anti Wilderer Einheit die zusĂ€tzlich noch ein zweites Maschinengewehr und allerhand AusrĂŒstung eingeladen haben eskortieren mich zu unserem Auto. Unterwegs werde ich immer wieder gefragt wie wir es so lange da draußen gemacht hĂ€tten und wie wir es schaffen konnten zu Fuß da raus zu kommen. Wieder muss ich die Geschichte mehrfach erzĂ€hlen und sie sind sich alle einig das Gott uns beschĂŒtzt haben muss. Ab heute solle ich ihm danken das er uns beschĂŒtzt hat. Eine Sache die mir nicht schwerfallen wird.

Als wir von der „Hauptstraße“ auf den Weg abbiegen, den wir zuvor gelaufen waren fragen sie wieder. „Ihr seit echt hier entlang gelaufen? Ihr ganz alleine? Wie weit war es? Wie lange habt ihr gebraucht?“ usw. Außerdem werde ich aufgeklĂ€rt welche Gefahren uns unterwegs verschont haben und mir wird ganz schlecht dabei. Auch wenn wir jetzt ja raus sind schlĂ€gt mir das Herz bis zum Hals als David, einer der Ranger, mir erzĂ€hlt das wir direkt am Lagerplatz einiger großer LöwenmĂ€nnchen vorbei gelaufen sind die sich normalerweise immer dort aufhalten. Außerdem, das wussten wir ja aber schon, sind in diesem Gebiet viele sehr große Elefantenbullen unterwegs die sehr schlecht gelaunt sein können. Wir hatten unfassbares GlĂŒck.

Die letzten Kilometer machen auch den Erfahrenen Offroadern das Leben schwer. Immer wieder mĂŒssen wir uns mĂŒhsam durchwĂŒhlen oder einen anderen Weg fahren. Letzteres ist Touristen nicht gestattet, glĂŒcklicherweise ist es bei den Rangern etwas völlig anderes, sonst wĂ€ren wir mit diesem Auto sicherlich nicht durchgekommen. Als wir ankommen steigen zwei der Jungs mit den Maschinengewehren aus und sichern die Umgebung. Ich bin noch nicht raus aus dem Auto als einer von ihnen mir etwas zuruft was ich nicht verstehen bzw. begreifen kann. Schon beim abbiegen waren meinen Begleitern Reifenspuren aufgefallen, die sie mir dann zeigten. Die Frage kam auf ob Simi und Patrik vielleicht schon versucht hatten uns zum Auto zu bringen. Das kann ich klar verneinen. Zwar hatten die beiden das Kurz angeboten, wir waren aber nicht bereit dieses Risiko einzugehen. Wir wollten die zwei keinesfalls in Gefahr bringen und auch wir wollten unsere Chance gerettet zu werden nicht leichtsinnig hergeben.

Als ich aussteige und nĂ€her komme begreife ich was man mir sagen wollte. Unser Auto steckt nicht mehr im Matschloch. Obwohl ich es sehe kann ich es nicht glauben. WĂ€hrend ich noch wie erstarrt vor dem Auto stehe haben die Jungs bereits den Pavillon abgebaut und ich mache den Kofferraum auf um alles was so rumliegt einzuladen. Die Sache wie das Auto auf den Weg kommt bleibt erstmal ein RĂ€tzel. Als alles eingeladen ist kommt kurz die Sorge auf ob nicht doch noch eine Strafe folgt. Die MĂ€nner betrachten eingehen die große abgebrannte FlĂ€che und den zu Asche zerfallenen Baum. Darum mach ich mir aber keine Sorgen. Meine Sorge kommt eher von dem ganzen „Metallschrott“ der jetzt dort rumliegt. Ich Frage also ob ich nicht lieber noch kurz aufrĂ€umen soll. Alles auf den DachgepĂ€cktrĂ€ger denk ich mir. Aber meine Begleiter sind dagegen. Sie wollen hier nicht lĂ€nger bleiben als nötig und drĂ€ngen zur RĂŒckfahrt. Nicht ohne aber noch kurz fĂŒr ein paar Bilder zu Posen. Mit dem verschlammten Auto im Hintergrund und ich muss natĂŒrlich auch mit drauf.

Als das Auto geladen ist mache ich ihnen klar, dass ich mit ihrer Fahrgeschwindigkeit nicht mithalten kann und kurzerhand wird einer als Fahrer abgestellt. Kurz vor der Abfahrt kommt dann noch eine befĂŒrchtete Frage. „hast du die Schlange getötet?“ Auf dem RĂŒckweg zum Auto ist einer der MĂ€nner auf die geköpfte Puffotter gestoßen. Ich hatte den Kadaver am Wegesrand liegen lassen um ihn evtl. ebenfalls als Tierabschreckmittel mitzunehmen. Auch Löwen oder Elefanten haben Angst vor der Puffotter und hĂ€tten vielleicht reis aus genommen, wenn ich eine nach ihnen werfe. Da die Schlange aber merkwĂŒrdig mĂŒrbe war als ich sie aufheben wollte und wir ohnehin genug zu tragen hatten habe ich sie liegen lassen.

Jagd ist in ganz Botswana verboten im Nationalpark sowieso und das gilt auch fĂŒr Puffottern. In diesem Fall wĂ€re es streng genommen Wilderei im Nationalpark und eine GefĂ€ngnisstrafe unausweichlich. Meine Begleiter wollen aber nichts Böses. Sie haben wohl Mitleid mit mir und können es nicht fassen, dass wir gezwungen waren die Schlange zu töten. David, der Leiter unseres kleinen Ausflugs, schĂŒttelt sich nur und befielt dann aufsitzen und Abfahrt.

Auf dem RĂŒckweg fahren wir genauso wie auf dem Weg hier her. Sobald wir die „Hauptstraße“ erreicht haben heißt es Vollgas. Leider diesmal auch mit unserem Auto. Im Park besteht ein Tempolimit. 40 Km/h sind das Maximum und Touristen erreichen diese Geschwindigkeit eigentlich nie. Wir sind immer mit max. 25 – 30 Km/h unterwegs. Unser Begleitfahrzeug hat uns bereits gebeten sie ĂŒberholen zu lassen. Sie können die Fenster nicht schließen und so wie es staubt können sie nicht hinter uns fahren bei der Geschwindigkeit. Auf dem Herweg dachte ich schon wir sind sehr schnell unterwegs, aufgrund des defekten Tachos konnte ich es aber nicht genau sagen. Lorenz, der jetzt unser Auto fĂ€hrt schafft wie sein Kollege im Auto vor uns 80 Km/h. Was wir nicht selbst kaputt gemacht haben macht jetzt er fĂŒr uns auf dieser sandigen Buckelpiste, die vor Schlaglöchern wimmelt. Mindestens einmal heben wir komplett ab. Allerdings interessiert mich das im Moment kaum. Ohnehin hĂ€tte ich das Auto auch abgefackelt, wenn wir dafĂŒr nicht hĂ€tten laufen mĂŒssen und so sehe ich es nach dem Sprichwort: „es ist ja nur Blech“.

Als Wir im Camp ankommen ist es gerade dunkel geworden. Die Jungs bringen mich inkl. Auto noch zu unserem Campingplatz und verabschieden sich. Anna ist schon geduscht, satt und langsam hat sie wieder Farbe im Gesicht. Jetzt bekomm auch ich von unseren Gastgebern noch das besagte, leckere Risotto, viel essen ist aber noch nicht drin, und danach geht’s unter die Dusche. Eine Wohltat nach den Tagen im Matsch. Die Dusche ist gebaut wie ein Bunker. Mit dicken Mauern und Stahltoren die die Tiere draußen halten sollen. Kein Grund also zur Eile.

Nach der Dusche geht es auch mir schon besser. Die Anspannung und auch der Dreck sind abgewaschen und kurz darauf geht es ins Bett. Schlafen ist allerdings trotzdem nicht so einfach. Wir beide liegen noch eine ganze Weile wach und so entgehen uns auch nicht die Löwen die gerĂ€uschvoll durchs Camp ziehen. Ein paar PlĂ€tze weiter mĂŒssen sie eine Rast eingelegt haben und brĂŒllen die halbe Nacht um die Wette. Anders als sonst hört es sich nicht nach Abenteuer- Wildnis an, sondern einfach nur nach Gefahr und gleichzeitig sind wir erleichtert das wir wĂ€hrend der Zeit allein im Park davon verschont geblieben sind. Mit diesem GebrĂŒll um uns herum hĂ€tten wir den Mut oder den Leichtsinn los zu gehen wohl nicht gefunden. Hier machen wir uns allerdings keine echten Sorgen und so schlafen wir irgendwann doch ein.


24.04.2018

Tag 6

Es ist noch recht frĂŒh als wir aus dem Zelt klettern. WĂ€hrend Simi und Patrick sich auf zur morgendlichen Rundfahrt machen kĂŒmmern wir uns um unser Auto. Was nicht verbrannt ist muss nun sortiert werden. Alles was noch zu gebrauchen ist muss ordentlich gereinigt werden und ein beachtlicher Teil ist nicht mehr zu retten und wird eben entsorgt. Wir machen die Scheiben sauber, damit wir auf dem Weg nach Maun einigermaßen sehen können wo wir hinfahren und beantworten noch mehr neugierige fragen von Mitarbeitern die mehr oder vielleicht auch eher weniger zufĂ€llig bei uns vorbeikommen. Alle die gestern nicht da waren oder keine Gelegenheit dazu hatten nutzen ihre Chance bevor wir abfahren können.

Wie es wohl immer ist wurde unsere Geschichte durch die ErzĂ€hlung von einem zum anderen immer dramatischer. Wir merken das an den Fragen, die uns gestellt werden und selbst Simi und Patrik, die, als sie zurĂŒck kommen, zufĂ€llig andere Touristen am Camp Eingang treffen werden gefragt ob sie schon von dem Paar gehört hĂ€tten, das ohne Wasser und ohne Essen 5 Tage festsaß und dann bis hier her laufen musste. Die Ranger erzĂ€hlen es wohl jedem der vorbeikommt. Als die beiden wieder bei uns ankommen und uns davon erzĂ€hlen sind wir froh das es so schlimm dann doch nicht war.

Wieder sind die beiden hervorragende Gastgeber und da wir auch soweit fertig sind gibt es erst noch ein gemeinsames FrĂŒhstĂŒck. Danach werden Nummern ausgetauscht und noch ein paar gemeinsame Selfie gemacht. Der Zettel, den wir auf die Motorhaube geklebt hatten ist immer noch da und als Simi ihn sich durchließt entdeckt sie eine Nachricht. Unter unserem Text und der Karte steht (auf Deutsch): „wir haben euch raus gezogen“ und eine Telefonnummer. NatĂŒrlich hatte uns der Chefranger, als ich am Abend wieder im Camp ankam, schon erzĂ€hlt das Touristen unser Auto gefunden hatten und es aus dem Loch gezogen hatten (kaum zu fassen, da wartet man Tagelang auf Hilfe und wenn man nicht mehr da ist kommt wer vorbei). Sie hatten von Gate aus angerufen und bescheid geben wollen was sie gefunden haben, zum GlĂŒck konnte der Ranger Entwarnung geben denn zu diesem Zeitpunkt waren wir ja schon in Sicherheit und ich sogar schon wieder unterwegs zum Auto.

SelbstverstĂ€ndlich werden wir die Nummer anrufen und uns bedanken. Bevor wir gehen werden Kontaktdaten ausgetauscht, wir wollen gerne mit den beiden in Kontakt bleiben, und gewettet wer unser Auto geborgen hat. Wir sollen auf jeden Fall Bescheid geben, wenn wir es wissen. Nach einer herzlichen Umarmung heißt es dann tatsĂ€chlich Abschied nehmen und wir sind froh den Park bald hinter uns zu haben.

Ein paar Std. spĂ€ter kommen wir in Maun an. Hier kennen wir uns ja nun schon ganz gut aus und fĂŒhlen uns irgendwie ziemlich wohl. Leider können wir nicht gleich zu Michele und Louw da deren Ferienwohnung leider schon ausgebucht ist und mĂŒssen noch eine Nacht in ein Hotel. Eigentlich wollten wir eine ganze Woche nur auf dem Sofa liegen, so aber heißt es einen Tag spĂ€ter wieder umziehen. Auf dem Weg zu Michele und Louw gehen wir noch schnell einkaufen und das Unfassbare geht einfach weiter.

Wie wir da so vor unserem immer noch verschlammten Auto stehen werden wir plötzlich auf Deutsch angesprochen. Zuerst denken wir die Leute wollen sich erkundigen wie wir es geschafft haben unser Auto so schmutzig zu machen. Wir merken aber schnell das die fĂŒnf die jetzt vor uns stehen das sehr genau wissen. Wie es der Zufall will treffen wir auf diesem Spar Parkplatz die Menschen, die unser Auto gefunden haben. Vier Österreicher, einer davon lebt schon lange in Namibia, seine namibische Frau ist auch dabei, und arbeitet dort bei der Windhoek Brauerei als Biertester. Sie waren als Kolone unterwegs und hatten so die Sicherheit eines zweiten Autos, sonst so sagen sie uns hĂ€tten sie die Strecke nicht genommen, zu riskant.

Wie sie uns erzĂ€hlen war es ihnen gemeinsam mit ihren Autos gelungen unseres aus dem Loch zu ziehen. Als sie unsere Nachrichten gelesen und die Karte gesehen hatten, sind sie die Strecke abgefahren und haben, Zitat: „geschaut ob wir euch irgendwo liegen sehen“. Nachdem sie am Parkeingang angekommen waren haben sie die Ranger informiert und auch gleich die Nachricht erhalten das wir gefunden wurden, sie sich nicht lĂ€nger Sorgen machen mĂŒssen und beruhigt weiterfahren können. Das sie uns dann zwei Tage spĂ€ter zufĂ€llig am Supermarkt treffen haben sie sich wohl ebenso wenig vorstellen können wie wir.

Auch hier heißt es nach einem lĂ€ngeren GesprĂ€ch und dem Austausch von Kontaktdaten wieder Abschied nehmen. Wir fahren zu Michele und Louw. Da fĂŒhlen wir uns langsam fast wie zuhause und wie immer sind die beiden super nett zu uns. In den nĂ€chsten Tagen gehen wir gemeinsam Grillen und Fischen und da Louw zufĂ€llig auch noch eine Autowerkstatt hat wird sogar noch unser Auto repariert. Dieser Teil ist der einzig unangenehme in diesen Tagen denn es ist einiges kaputt. Die MotoraufhĂ€ngung ist gebrochen genauso wie die GetriebeaufhĂ€ngung.  An manchen stellen verlieren wir etwas Öl und auch sonst sind noch ein paar Kleinigkeiten. Wo das Auto schon mal in der Werkstatt ist lassen wir gleich alles was an verschleiß vorliegt auch noch richten, Bremsen, Kundendienst, Scheibendichtung und paar Kleinigkeiten. Zum GlĂŒck wiederrum sind wir doch in Afrika und so macht alles zusammen nachher gerade einmal rund 1200 €.

 

Nach diesem Erlebnis ist es nicht einfach zu entscheiden ob wir weiter machen sollen oder nicht und noch immer ist da keine klare Entscheidung gefallen.

Wie gefĂ€hrlich unser Abenteuer nun wirklich war, darĂŒber lĂ€sst sich wohl diskutieren. Es ist ja am Schluss nichts passiert und es beweist auch das in Afrika nicht hinter jedem Busch ein menschenfressender Löwe lauert. Wir wissen aber das jederzeit hĂ€tte alles passieren können und schon eine kleine Ursache ein großes UnglĂŒck hĂ€tte bedeuten können. FĂŒr uns war es kein Abenteuer, sondern eine Erfahrung, die wir nicht wollten und nie wieder machen wollen. Allerdings machte es uns auch demĂŒtiger. Beide sind wir schon immer sehr dankbar fĂŒr all das Gute, und das ist eine Menge, was wir im Leben haben. Selbst in den letzten Tagen gab es nicht nur schlechtes. Wir haben uns, das ist das wichtigste. Auch gefĂ€hrliche Situationen wie die mit der Puffotter sind doch gut ausgegangen. Wenn es auch in der Vergangenheit schon so einiges gab was schlecht oder sogar schlimm war ist uns doch sehr viel Gutes passiert und das wollen wir nie vergessen. Dankbar zu sein fĂ€llt uns meist leicht und wird in Zukunft noch einfacher sein.

Beim lesen fĂ€llt auch uns die Dramatik auf. Wir haben viele SĂ€tze oft umgeschrieben. Nicht fĂŒr alles fanden wir die richtigen Worte. Die Dramatik kommt aber ganz sicher von unserem Unterbewusstsein, denn genau so wie es hier steht ist es fĂŒr uns gewesen, genau so hat es sich fĂŒr uns angefĂŒhlt. Zum GlĂŒck ist es nun vorbei.

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Kommentare: 4
  • #1

    Evi (Montag, 18 Juni 2018 20:50)

    Oh wow, bin ich froh, dass ihr diesen Blog habt schreiben können. Auch ich schick dem lieben Gott ein Dankeschön dass es euch noch gibt. Das ihr eure Erfahrung auf diese Weise mitteilt, ist nicht nur fĂŒr uns was gutes sondern auch fĂŒr alle, die sich mal was Ă€hnliches vor nehmen und so sich besser vorbereiten können. Danke das es euch noch gibt und danke fĂŒr den ganzen Blog, den ich voller Spannung verfolge. Habt weiterhin eine gute Zeit, passt auf euch auf und startet bitte keine solche Versuche mehr. DrĂŒck euch von Herzen

  • #2

    Björn und Anna (Donnerstag, 21 Juni 2018 19:51)

    vielen Dank, liebe Evi das ist sehr lieb von dir.

  • #3

    Richard Eisele (Mittwoch, 04 Juli 2018 11:18)

    das war ja ein wahnsinniges Erlebnis - gut dass ihr es gesund ĂŒberstanden habt. WĂŒnsche weiterhin viel GlĂŒck und macht trotzdem euren Traum wahr.

    Gruss
    Richard

  • #4

    Björn und Anna (Mittwoch, 04 Juli 2018 15:21)

    vielen Dank, Richard das ist sehr lieb. Liebe GrĂŒĂŸe an Inge.